Kurzprofil
Name: Ingrid | Heimat: Borgholzhausen, Nordrhein-Westfalen | Beruf: Prokuristin in einem mittelständischen Betrieb (Einkauf & Logistik), Gründerin von Bike Passion & Mental Care, DOSB/DMSB Trainerin (C), Motorradcoach und zertifizierte Mentaltrainerin
Wie bist du zum Motorradfahren gekommen?
Das Motorradfahren faszinierte mich bereits früh, doch Vorbehalte und Sicherheitsbedenken aus meinem Umfeld hielten mich zunächst davon ab. Als mein jüngerer Bruder den Schritt wagte und seinen Führerschein machte, nutzte ich die Gelegenheit und begleitete ihn zur Fahrschule.
Nach bestandener Prüfung folgte unmittelbar der Kauf meines ersten Motorrads. Seither – in knapp 30 Jahren – habe ich unzählige Kilometer zurückgelegt, stets mit der Unterstützung meines Mannes, der einen wesentlichen Anteil an meiner persönlichen Entwicklung in Sachen Motorradfahren und Selbstsicherheit hat.
Was bedeutet Motorradfahren für dich?
Motorradfahren ist für mich weit mehr als nur ein Hobby – es ist eine Lebensphilosophie. Es geht um Freiheit, Selbstvertrauen und die Überwindung von Grenzen. Auf dem Motorrad lernst du, Vertrauen in dich selbst zu haben und Herausforderungen anzunehmen. Es ist diese einzigartige Kombination aus mentaler Stärke und fahrtechnischem Können, die mich so fasziniert. Jede Kurve, jede Fahrt ist eine Gelegenheit, zu wachsen und sich weiterzuentwickeln.



Welches Motorrad fährst du? Warum hast du diese Maschine gewählt?
Ich fahre verschiedene Maschinen, je nachdem, was ich trainiere oder welche Aufgabe ansteht. Für die Rennstrecke habe ich eine CBR1000RR SC77, für die Trainings bewege ich eine Z1000 aus dem Jahr 2006 und für mich privat eine KTM 1290 Superduke R. Bei der Auswahl meiner Motorräder achte ich vor allem darauf, dass sie sich für die jeweilige Situation eignen und dass ich damit verschiedene Fahrsituationen authentisch vermitteln kann.
Jede Kurve, jede Fahrt ist eine Gelegenheit, zu wachsen und sich weiterzuentwickeln.
Wenn Geld und Platz keine Rolle spielen, was steht in deiner Garage?
Zusätzlich zu meinen drei Motorrädern würde ich mir noch ein Pitbike und eine kleine Enduro wünschen. Die Vielfalt reizt mich – jede Maschine hat ihren eigenen Charakter und ihre spezifischen Herausforderungen. Leider fehlt mir die Zeit, alles zu machen, aber träumen darf man ja!
Mit welcher Ausrüstung fährst du am liebsten?
Sicherheit steht bei mir an erster Stelle! Ich trage immer hochwertige Schutzkleidung und Schuhe mit Knöchelschutz – das verlange ich auch von meinen Kursteilnehmerinnen. Gute Ausrüstung gibt Sicherheit und Selbstvertrauen. Ich rate allen Fahrerinnen, nicht an der Schutzkleidung zu sparen, denn sie kann im Ernstfall Leben retten.
Was war deine bisher größte Herausforderung? Wie hast du sie gemeistert und hat das dein Motorrad-Leben beeinflusst?
Eine wesentliche Herausforderung liegt in der erfolgreichen Verbindung unterschiedlicher Tätigkeitsbereiche. Hauptberuflich verantworte ich Einkauf und Logistik in einem mittelständischen Unternehmen – eine anspruchsvolle Führungsposition, die strategisches Denken und operative Exzellenz erfordert.
Parallel dazu entwickle ich Bike Passion & Mental Care als nebenberufliches Projekt. Kontinuierliche Professionalisierung ist mir dabei ein zentrales Anliegen: Die Wintermonate nutze ich gezielt für Weiterbildungsmaßnahmen. Mit dem Erwerb der C-Trainerlizenz des Deutschen Motorsportbundes (DMSB) habe ich einen wichtigen Qualifikationsnachweis erlangt, der meine fachliche Expertise im Motorradtraining offiziell zertifiziert.


Diese Doppelbelastung erfordert viel Disziplin und Organisation, aber sie zeigt mir auch jeden Tag, wie wichtig Zeitmanagement und Prioritäten sind. Mein Mann steht dabei immer hinter mir und unterstützt mich auf diesem Weg.
Diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass man mit der richtigen Einstellung und Unterstützung sehr viel erreichen kann. Heute kann ich genau das tun, was ich liebe: Frauen dabei helfen, ihre Ängste zu überwinden und Selbstvertrauen auf dem Motorrad zu gewinnen.
Gab es schon mal eine brenzlige Situation und wie hast du reagiert?
Ich bin generell eine umsichtige Fahrerin und viel auf der Straße auch mit dem Auto unterwegs. Da habe ich gelernt, Gefahrensituationen frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden. Natürlich gab es auch bei mir Momente, in denen es kritisch wurde, insbesondere zu Beginn meiner Motorradkarriere und später auch auf der Rennstrecke.

Diese Erfahrungen haben mich auch dazu inspiriert, mein Herzensprojekt Bike Passion & Mental Care auf den Weg zu bringen. Ich weiß genau, wie sich Unsicherheit anfühlt und habe gelernt, wie man damit umgeht. Das hilft mir enorm, meine Teilnehmerinnen zu verstehen und sie gezielt zu unterstützen.
Was darf auf einer Motorradtour für dich nicht fehlen?
Eine gute Vorbereitung ist das A und O! Ich achte immer darauf, dass mein Motorrad verkehrssicher ist, ich ausreichend Pausen einplane und die Route gut durchdacht ist. Wichtig sind mir auch Kontaktmöglichkeiten für den Notfall und natürlich gute Laune und Vorfreude auf die Strecke.
Fährst du lieber allein oder in einer Gruppe Motorrad?
Beides hat seinen Reiz! Alleine zu fahren gibt mir Zeit zum Nachdenken und zur Selbstreflexion. In der Gruppe – besonders in meinen Trainings – erlebe ich aber die schönsten Momente: Wenn ich sehe, wie Frauen über sich hinauswachsen, ihre Ängste überwinden und am Ende des Tages mit einem Strahlen im Gesicht sagen: „Ich fahre sicher. Ich vertraue mir. Und ich liebe Kurven!“ Das ist unbezahlbar.

Ich fahre sicher. Ich vertraue mir. Und ich liebe Kurven!
Was war dein schönstes Motorrad-Erlebnis?
Mein schönstes Motorraderlebnis war eine nächtliche Auffahrt auf das Stilfser Joch und oben den Sonnenaufgang über der Ortler-Gruppe zu erleben – ein magischer Moment, den ich nie vergessen werde. Aber es gibt noch weitere unvergessliche Erlebnisse: Wenn sich die Rundenzeiten auf der Rennstrecke langsam, aber sicher verbessern und man spürt, wie sich die eigene Fahrtechnik weiterentwickelt.

Die schönsten Momente sind jedoch die in meinen Trainings: Wenn eine Teilnehmerin nach einem Handlingskurs oder Kurventraining zu mir kommt und sagt, dass sie jetzt endlich das Selbstvertrauen hat, das sie immer haben wollte – das sind die Augenblicke, für die ich das alles mache.
Von welcher Motorradtour träumst du und was reizt dich an dieser Tour?
Ich träume von einer Tour durch Australien und Neuseeland – die endlosen Weiten, die spektakulären Landschaften und die Freiheit, die diese Länder bieten, faszinieren mich. Eventuell auch mal eine Runde auf der Rennstrecke auf Phillip Island – das wäre ein absolutes Highlight! Die Vorstellung, auf einer der legendärsten Rennstrecken der Welt zu fahren, wo die MotoGP-Stars ihre Battles austragen, ist einfach elektrisierend.
Am Ende geht es darum:
Klar im Kopf. Stabil im Körper. Selbstbewusst auf der Straße.
Was würdest du dir selbst raten, wenn du heute mit dem Motorradfahren anfangen würdest?
- Investiere in gute Ausrüstung! Sicherheit geht vor, und hochwertige Schutzkleidung gibt dir Selbstvertrauen.
- Nimm dir Zeit zum Üben. Motorradfahren lernt man nicht über Nacht und nach ein paar Fahrstunden. Geduld mit dir selbst ist das aller wichtigste.
- Suche dir professionelle Unterstützung. Ein gutes Training kann dir helfen, von Anfang an die richtigen Techniken zu lernen und Fehler zu vermeiden.
- Höre auf deinen Bauch. Wenn du dich unsicher fühlst, ist das okay. Arbeite daran, aber setze dich nie unter Druck.
- Finde deine Community. Der Austausch mit anderen Fahrerinnen ist unbezahlbar.
- Lass dich nicht von Vorurteilen abhalten. Motorradfahren ist nicht verrückt – es ist eine der schönsten Arten, Freiheit zu erleben.


Was motiviert dich neue Motorrad-Abenteuer anzugehen? In welches Abenteuer möchtest du mit Vollgas als nächstes starten?
Der Erfolg meiner Teilnehmerinnen motiviert mich, immer weiterzugehen. Für 2026 plane ich innovative Events wie den „Mindful Riders Day“, Kurventrainings auf der Kartbahn und Alpentrainings – um noch mehr Frauen für das Motorradfahren zu begeistern.
Ist da noch etwas, was du der Motorrad-Community gern mitgeben möchtest?
Meine Botschaft ist klar: Traut euch! Egal in welchem Alter oder mit welchem Fahrstil – jede Frau hat ihren Platz auf dem Motorrad. Unsicherheiten und Ängste sind normal, aber mit professioneller Unterstützung überwindbar. Sucht euch Menschen, die an euch glauben, eine Community, die euch trägt, und das richtige Training, das euch weiterbringt.