Kawasaki in schottischer Landschaft

Als Alleinreisende nach Schottland per Motorrad – I did it!

Manche Mädchen träumen von süßen Kerlen, wieder andere träumen von schicken Handtaschen. Einige von der großen Karriere. Ich hingegen träumte schon immer vom Reisen in ferne Länder. Nach der Familiengründung und jahrelanger Zweirad-Abstinenz entdeckte ich das Motorradfahren mit 40 Jahren für mich neu und mit jedem gefahrenen Kilometer auf meiner Kawasaki Versys 650 wuchs der Wunsch, England und Schottland per Motorrad zu bereisen.

Doch sollte ich mich alleine nach Schottland per Motorrad auf den Weg machen oder mich lieber einer Reisegruppe eines renommierten Motorradreiseanbieters anschließen?

Mut machten mir Reiseberichte von Motorradfahrern in Foren und auch ein Reisebericht von Erik Peters machte mich so heiß auf eine Tour nach Schottland, dass ich es unbedingt in die Tat umsetzen musste. Da ich ein Sparfuchs bin (ich war mal mit einem Reiseanbieter mit dem Motorrad in den Karpaten und kannte die Kosten), entschied ich mich, es zum ersten Mal allein zu versuchen.

Vorbereitung auf die große Reise nach Schottland per Motorrad

Auf Motorradmessen sammelte ich Landkarten, die ich zur Reisevorbereitung nutze. 

Der Zeitraum der Reise wird von mir immer vom Klima bestimmt. Ich mag keine Hitze und Regen macht mir nicht viel aus. Aquaplaning ist sehr selten auf dem Zweirad. Also wurde für meine Tour nach Schottland per Motorrad der Monat Mai ausgewählt.

Aus Erfahrung kenne ich meine maximale Kilometerleistung an einem Tag und die Gesamtstrecke wird von mir grob auf kurviger.de geplant und dann durch 250-300 km geteilt, um den Zeitrahmen der Reise festzulegen. Es kann dabei vorkommen, dass ein Fahrtag auch mal 600 km hat, dafür lege ich bei schlechtem Wetter auch einmal einen Ruhetag ein.

Da ich England und Schottland umrunden wollte, musste ich drei Wochen einplanen für rund 5.000 km. Die Überfahrt über den Ärmelkanal wollte ich über Calais-Dover machen, da mir das Prozedere bekannt ist und ich bei dieser Reise auch Südengland besuchen wollte.

Mein Plan war es, über Southampton nach Wales, den Lake Distrikt, Liverpool und anschließend nach Edinburgh zu fahren. Schottland wollte ich dann gegen den Uhrzeigersinn umrunden, um dann die Fähre von Newcastle nach Amsterdam für den Rückweg nehmen zu können. Die Fähren muss man natürlich im Voraus buchen.

Der Urlaub steht. Jetzt wird die Reiseplanung konkret

Mein Arbeitgeber hat inzwischen den Urlaub genehmigt und los geht die Planung. Ich bin sehr genau bei sowas, da ich zu gerne reise und mir nicht durch eine Motorradpanne den Urlaub versauen möchte. Also wird immer ein neuer Reifen vor der Reise aufgezogen, Inspektionen pingelig genau gemacht, Navigationssysteme überprüft oder neu angeschafft, Handyvolumen aufgestockt, Reisegepäck überprüft, Kosmetikpröbchen gesammelt, man will ja Gewicht sparen. Literatur für die Reise ausgesucht und meistens mindestens ein Reiseführer des Landes im Vorfeld durchgearbeitet.

Für Great Britain bin ich gut vorbereitet gewesen, da ich ein Fan von Bill Bryson bin, der hervorragende Beschreibungen der Engländer und der geschichtlichen Hintergründe von Großbritannien zu Papier bringt.

Hab ich schon erwähnt, dass ich die zurückhaltende englische Art mag, wie man sich z.B. an Bushaltestellen hinten anstellt? Oder erwähnte ich schon, dass Engländer an der Südküste im Straßenverkehr Schilder angebracht haben, dass man an Schlangen mit dem Motorrad vorbei darf? Oder habt ihr schonmal einen englischen botanischen Garten besucht? Ich liebe all das!

Auf nach Schottland per Motorrad – Die ersten 403 Kilometer von Essen nach Calais

Es ist der 25. Mai 2014, als ich mich auf den Weg von Essen nach Calais mache. Die erste Etappe hat bereits 403 Kilometer. Schottland per Motorrad – es wird Realität!

Mein Reisegepäck für drei Wochen:

  • 2x Hepco&Becker Seitenkoffer à 40 Liter
  • Ein Topcase à 30 Liter
  • Ein Tankrucksack à 12 Liter
  • Eine Hecktasche mit ca. 15 Liter Fassungsvermögen

Die gut 400 km schaffe ich zügig über die Autobahn. In Calais bin ich erstaunt über sehr viele Migranten, die in Zelten am Hafen leben. Kurz vor Calais bestaune ich eine Kartbahn mit flotten Heizern. Ich übernachte in einem Ibis Style Hotel mit Parkplatz im Hinterhof, sodass mein Moped sicher steht. Das Zimmer war groß, das Frühstück ausreichend. Ich mogle noch ein belegtes Brötchen in die Handtasche.

Fährüberfahrt und weiter nach Southampton

Am zweiten Tag meiner Tour nach Schottland per Motorrad geht es zum Fährhafen, den ich dank meines Tom Tom Urban Rider 4 auf Anhieb finde. Die Fähre kommt pünktlich und ich freue mich auf die Überfahrt.

Die Verzurrung des Motorrades gelingt auf Anhieb. Ein Spanngurt wird mit einem untergelegten Kissen, um die Sitzbank nicht zu zerstören, über die Sitzbank geschnallt und am Boden mit Haken befestigt. Das Motorrad darf dabei auf dem Seiteständer stehen (ich habe sowieso keinen Hauptständer).

Bei strahlendem Sonnenschein an Deck genieße ich mein Picknick.

Vormittags in Dover angekommen fahre ich schnurstracks Richtung Hastings über Folkstone, New Romney und Rye, wo ich mal einen Schüleraustausch gemacht habe. Habe ich schon erwähnt, dass ich die weißen Klippen der englischen Südküste liebe? 

Rye hat ein einzigartiges Kopfsteinpflaster in der ganzen Innenstadt aus runden Steinen. Die stehen so weit raus, dass man kaum mit Motorradstiefeln darauf laufen kann. In Hastings gönne ich mir später ein Schinkensandwich. Groß und heiß, mit fettigem Käse. Ich liebe es!!!

Um ein Haar wäre das ins Auge gegangen

Die Klippen von Hastings fahre ich oben mit dem Motorrad entlang, statt mit der Gondel hoch zu fahren und dort spazieren zu gehen. Oben steht sogar wie früher ein typisch englischer Eiswagen mit Softeis. Ich gönne mir eins und beim Starten vergesse ich zum ersten Mal in meinem Leben als Motorradfahrer, meine Brille aufzuziehen und starte ohne Brille, die noch auf dem Soziusplatz liegt. Eine Minute später bemerke ich es, fahre zurück, steige auf dem Parkplatz ab und sehe meine Brille auf der Straße. Ein Auto naht. Es fährt schnell. Es fährt direkt über meine Brille, nimmt sie aber genau zwischen den Rädern und es passiert nix.

Seit dieser Situation habe ich immer zwei Brillen auf Motorradreise mit. Man weiß ja nie. Anschließend fahre ich nach Southampton zu meinem Cousin, der sich sehr über meinen Besuch freut.

Royal Pavillion in Brighton mit Kawasaki
Schottland per Motorrad: Raue Landschafteen und märchenhafte Gebäude.

Meet the locals in Salisbury

Am dritten Tag frühstücke ich mit meinem Cousin so ausgiebig, dass ich es nur noch 50 km bis Salisbury schaffe. Einen Ausflug zum Dartmoor und den Wildpferden sparen wir uns dieses Mal, wir waren auch schon mehrmals zusammen dort. 

Winchester mit seiner berühmten Kathedrale besuchen wir noch gemeinsam und essen zusammen in einem brasilianischen Restaurant zu Mittag, in dem das Fleisch direkt am Tisch vom Spieß abgeschnitten wird. Danach setze ich meine Reise fort Richtung Wales. Ich übernachte in Salisbury in einem kleinen Gasthaus mit Bierausschank und gönne mir abends, für die nötige Bettschwere, an der Bar ein Guinness. Mein Englisch ist nicht perfekt, aber für etwas Smalltalk an der Bar reicht es allemal. Schließlich sind allein reisende deutsche Frauen selten mit einem Motorrad bis Schottland unterwegs.

Kawasaki vor steiler Straße in Wales

Endlich Berge! – die Breacon Beacons und der Snowdonia (Eryri) Nationalpark in Wales

Am vierten Tag mache ich mich nach einen hervorragendem englischen Frühstück auf den Weg Richtung Wales. Genauer gesagt nach Bristol/Newport, wo ich nächtige. 

Von Bristol nach Newport überquert man eine herrliche Brücke, die Prince of Wales Bridge. Hier werden die ersten Schafe von mir fotografiert und ich genieße die englischen Landstraßen. Kurvig, nicht sehr anspruchsvoll, aber lieblich und reizvoll. 

Hinter Newport fahre ich über die Devils Bridge, eine alte Brücke, die zwei Führungen aufweist. Eine obere und eine untere Überführung. Ich nutze die Chance für einen kleinen Spaziergang und schau mir das alte Ding auch genauer von unten an. 

Die Fahrt durch Wales durchquert den Breacon Beacon Nationalpark. Von Aberystwith an der Küste entlang Richtung Norden gibt es Landstraßenabschnitte mit mehr als 25 Prozent Steigung. Zwischenzeitlich regnet es, aber es folgen auch trockene Zeitfenster, in denen Handschuhe, Regenkombi und Motorradschuhe schnell wieder trocknen können. Der Snowdonia Nationalpark lässt auch keine Motorradwünsche offen. Kleine Pässe erfordern doch einiges an Kurventechnik. 

Danach geht es zu einem Highlight dieser Reise nach Schottland per Motorrad: Liverpool. 

Auch dort habe ich prophylaktisch ein Zimmer nahe des Beatles Museums gebucht, welches ich dann schnell zu Fuß erreichen kann.

Schild Devil's Bridge
Zwischenstopp Devil’s Bridge. Schottland per Motorrad.

All you need is love – oder Liverpool

Der fünfte Reisetag beginnt mit dem Beatles Museum, in dem auch ziemlich viel über meinen heimlichen Star Elvis Presley mit dokumentiert wurde. Im Hafen schlummert auch das berühmte Yellow Submarine. 

Mittags geht es dann, nach einer Motorradrunde durch Liverpool, weiter Richtung Keswick. In Wales legt man Wert auf Folklore und ich bin Zeuge eines großen Musik-Spektakels bei dem traditionelle Kostüme (in Form von Krähen) getragen werden. Ich kann also nur weiterfahren, da die Straßen für das Spektakel gesperrt waren.

Ich steuere auf dem Weg nach Schottland per Motorrad das allseits beliebte Gebiet Lake District an und erfreue mich auf der Fahrt dorthin an der englischen Gartenbaukunst am Straßenrand. Immer wieder faszinieren mich die vielen Schornsteine auf den Dächern Englands. Ein typisches Bild, egal, in welcher Ecke man sich aufhält. Das Lake Distrikt liegt in bis zu 1000 m Höhe, sodass der Kurvenspaß nicht zu kurz kommt. Zum ersten Mal sehe ich auch viele andere Motorradfahrer. Muss an den kleinen Pässen liegen.

Während einer Mittagspause, die ich bevorzugt in der Nähe großer Marktplätzen mache, genieße ich meinen mitgebrachten Cappuccino. Ein älterer Herr spricht mich an und will wissen, wo ich herkomme. Er berichtete von seiner Motorrad-Vergangenheit und wir verabschiedeten uns nicht ohne einen guten Strecken-Tipp. 

Dass ich Kaffee dabei habe, verdanke ich der guten alten Sitte in England, auf Hotelzimmern immer Wasserkocher zur Verfügung zu stellen mit gefriergetrockneten Kaffeetütchen oder Teebeuteln. Ich liebe es! 

Ich übernachte in Keswick in einem unspektakulären Bed & Breakfast. Schottland per Motorrad – das Ziel rückt näher.

Kawasaki vor englischer Landschaft

Vom Lake District zu Hadrian’s Wall

Der nächste Tag führt mich nach Carlisle, wo ich auch wieder spontan Zeuge eines Folklorefestes bin, wo man gratis der Musik lauschen kann. Ich genieße auf einer gut besuchten Wiese das Konzert, das Motorrad parkt in Sichtweite. Ich hab ja immer Angst um mein Reisegepäck. Koffer und Topcase sind ja abschließbar, aber Tankrucksack und Hecktasche leider nicht. 

Die Strecke Carlisle bis Dumfries wird dann zum ersten Mal richtig kurvig. Ich veranstalte eine Kurvenhetz, dass einem fast schwindelig wird. Ja, neben meinem Reisegen verbirgt sich noch ein Sportlergen. Meine Kawasaki Versys 650 macht alles problemlos mit. Sie ist wie geschaffen dafür und fühlt sich fast unterfordert bei so wenigen Höhenmetern. 

Unterwegs sehr ich viele Schweinebauernhöfe. Die Weiden sind so nah mit ihren Zäunen am Straßenrand, dass ich manchmal hinter einer Kurve erschrecke, so große Schweine sind stehen da und glotzen durch den Zaun. Von Dumfries geht es dann nordwestlich zur schottischen Hauptstadt. Das industrielle Gebiet um Glasgow umgehe ich so geschickt. Da ich an einer unspektakulären Stelle die Grenze überquere, sehe ich auch leider keinen Hadrianswall und! keinen Stein mit der Aufschrift: Schottland. Das kommt dann wohl später noch.

Besuch in Edinburgh und dann auf zu Nessie!

Dann folgt das nächste Highlight auf meiner Tour nach Schottland per Motorrad: Edinburgh. 

Um einen ganzen Tag für die sehenswürdige Stadt zu haben, übernachte ich 2x dort in einer Jugendherberge. Irgendwo im Innern der Stadt ist eine hohe Erhebung, die ich erst einmal hochlatsche, um mir einen Überblick über die Stadt zu verschaffen. Beim ersten Erkunden der Hauptstadt zu Fuß entdecke ich ein Theater, an dem, was für ein Zufall, genau heute Abend das Musical „Let it be“ spielt.

Ich besorge mir kurzerhand günstige Karten. Ergänzend zum Museum habe ich dann gleich eine musikalische Reise der 4 Pilzköpfe inclusive. Ich sitze ziemlich weit hinten wegen des Preises, aber mit einem Fernglas (mietbar im Theater für 1£ , ich hab das Ding heute noch) war es gut sichtbar. Tolle Musik, im Englischschulunterricht haben wir die Texte rauf und runter übersetzt und interpretiert. So ist mir alles sehr vertraut. Vor dem Schlafen gehen gönne ich mir mal wieder ein Guinness, das hilft beim Schlafen. 

Den nächsten Tag spaziere ich noch ein wenig durch Edinburgh und bestaune jede Menge Geschäfte, die traditionelle Schottenröcke und diverse andere Trachten verkaufen. Ich bewundere immer wieder die alte Architektur, die teilweise grün vor Moos in der Sonne schimmert. 

Wie immer halte ich es schwer aus, wenn ich einen Tag nicht Motorrad fahren kann und starte mittags Richtung Perth/Dundee. Dafür fährt man hinter Edinburgh über eine herrliche Brücke, die Forth Bridge. Ein Hingucker. Kann man auch mit dem Auto machen, aber Schottland per Motorrad macht einfach mehr Spaß.

Hinter Dundee folgt dann der Cairgorms Nationalpark. Eine sehr große Hoch-Ebene, wo es ordentlich windig zu geht. Erik Peters hat hier bei seiner Schottlandreise gezeltet, ich bevorzuge dann doch lieber ein Dach über dem Kopf mit Wlan, Dusche, TV, Wasserkocher und englischem Frühstück.

Dazu gehören: Tea or Coffee, Toast, Orangenmarmelade, baked beans, Spiegelei, gebratene Tomate, gebratene Champignons, kleine Würstchen. Das deftige Frühstück erspart mir dann auch manchmal ein Mittagessen. 

Nach der Übernachtung in Dundee folgt dann das nächste Highlight auf meinem Trip nach Schottland per Motorrad: Loch Ness!

Ohne Nessie auf nach John O’Groats, dem nördlichsten Punkt Schottlands

Ich bin nun in Inverness, wo doch Nessie herkommt. Ich fahre das lang gezogene Wasser viele Kilometer in Nordrichtung, anschließend im Westen wieder in Südrichtung entlang und meine Augen ruhen wie magnetisch auf dem Gewässer. Aber leider sichte ich Nessie nirgends. Ich bin enttäuscht ;(.

Meine Reise geht weiter nach Thurso.  Ich möchte auf jeden Fall nach John O‘Groats, um zumindest einen Blick Richtung Orkney-Inseln zu werfen. John O’Groats ist der nördlichste Punkt von Schottland und ich möchte anschließend die Nordküste von Ost nach West entlang fahren. Inseln lasse ich aus Zeit und Geldgründen weg. So viel anders als auf dem Festland kann da Flora und Fauna auch nicht sein. 

Immer wieder fahre ich an Whiskeydestillerien vorbei. Da ich noch auf dem Rückweg in Edinburgh ins Whiskey-Museum möchte, ich auch keinen Whiskey mag und natürlich meine Fahrtüchtigkeit erhalten muss, besichtige ich keine der bestimmt sehr interessanten Destillerien. 

Unterwegs entdecke ich auch markante Stellen, an denen Torf geschnitten wurde. Ein billiger Brennstoff in Schottland. 

Auf dieser Passade meiner Tour durch Schottland per Motorrad durchfahre viele Kilometer der berühmten single road tracks. Landstraßen, die so schmal sind, dass eigentlich nur 1-1,5 Autos nebeneinander passen. Die Engländer und Schotten sind aber sehr rücksichtsvolle Völker und es gibt nie Probleme beim Passieren, da man immer höflich wartet. Die Raserei der Mittelmeeranwohner gibt es hier eh kaum. Alles ruhig, gelassen, höflich. 

Da ich Linkshänder bin, ist der Linksverkehr für mich eh kein Problem, die vielen Kreisverkehre machen die Orientierung der richtigen Spur eh einfacher.

Kawasaki in schottischer Landschaft
Schottland per Motorrad zu bereisen ist ein besonderes Erlebnis. Das Wetter ist so wechselhaft wie das Landschaftsbild.

Vom nördlichsten Punkt gen Süden entlang Schottlands Westküste

Schottland per Motorrad entdecken – heute kommt ein für mich aufregender Tag an der Nordküste entlang, anschließend die Westküste Richtung Süden. Das Wetter ist wolkig mit sonnigen Abschnitten und ich durchfahre herrlich bunt leuchtende Landschaften, abwechselnd Wiese, Meer, Moos, Torf, Sand. Die Lichtstrahlen ändern sich ständig, sodass die Landschaft permanent interessant aussieht und ich gefühlt an jeder Ecke ein Foto mit meiner Olympia schieße. 

Bei meinem Rückblick auf die Reise fällt es mir daher schwer nachzuvollziehen, an welchem Tag ich wo war, da die Fotos im Handy nicht mit Datum und Ort versehen sind. Aber anhand der Reiseunterlagen, Fotos, Landkarten kann ich sie einigermaßen genau zuordnen.

In Ullapool übernachte ich zum 1. Mal in einer Jugendherberge in einem Mehrbettzimmer. Eine Dame in meinem Alter (48) ist bei mir auf dem Zimmer. Wir unterhalten uns über ihre Radtour an der schottischen Westküste entlang und meine Tour nach Schottland per Motorrad. Mein Englisch hängt hier ein bisschen, aber es geht.

Auf zur Applecross Halbinsel

Heute gibt es wieder ein Highlight, da es nach Applecross, einer Halbinsel, geht. Die Straße führt über einen schwer zu fahrenden Pass, den Bealach na Bà, einspurig, windig, anspruchsvoll, obwohl nur ca. 650m hoch. Das heißt aber nix. 

Oben am Pass möchte ich während meiner Tour durch Schottland per Motorrad mal wieder ein Foto der Straße machen. Ich lege die Kamera auf das Topcase, lehne mich leicht an, um ein ruhiges Händchen zu haben für ein scharfes Foto. Leider vergesse ich, einen Gang einzulegen. Das Motorrad bewegt sich durch den Druck meines Oberkörpers nach vorn. Der Seitenständer klappt weg. Ich muss mich entscheiden: Entweder Moped fallen lassen,  mutterseelenallein auf nem Pass oder Kamera in die Wiese schmeißen und Moped sichern. Ich entscheide mich für zweiteres, da ich die Kawasaki mit Gepäck alleine nicht hoch kriege.

Die Olympus überlebt unbeschadet im weichem Grün. Puh, nochmal gut gegangen. Nun kann ich noch den Blick auf die Isle of Skye genießen und weiter geht’s. 

Hinter Applecross übernachte ich wieder in einer Jugendherberge. Diese sind in Schottland sehr angenehm, da sie erstens immer abschließbare Schränke für die Nutzer haben, zweitens gibt es nutzbare Küchen mit allerlei Küchenutensilien. Töpfe, Pfannen, Geschirr, Kühlschranke, alles darf kostenfrei benutzt werden. 

Wer noch nie in einer Jugendherberge übernachtet hat sollte das mal ausprobieren. Ich habe diese Übernachtungsmöglichkeit auch schon unabhängig von meiner Tour durch Schottland per Motorrad genutzt.

Die Mitgliedschaft für 1 Person incl. Familie sind 22,-€ im Jahr und man darf alle Jugendherberben nutzen. Sie sind sogar im Notfall verpflichtet, mich aufzunehmen, wobei man dann ein Bett nehmen muss, das die Jugendherberge auswählt, und das kann dann auch Mal ein Mehrbettzimmer sein. 

In Schottland treffe ich oft Wanderer jedweder Nation im Zimmer. Oft gibt es nette Gespräche, manchmal müffeln aber die Wanderschuhe.

An diesem Abend kocht eine 4er Gruppe gleichzeitig mit mir. Die Männer müssen mit ihren Frauen vegetarischen Eintopf essen. Ich habe mir ein riesiges T-Bone-Steak gegönnt und brutzle mein Fleisch in der Pfanne. Ich schwör euch, den Männern sind die Augen bald rausgefallen beim Zuschauen. Ich amüsiere mich und falle voll gefuttert und zufrieden in die Poofe. Auch hier gibt es Wlan, sodass ich abends im Bett alle Social-Media-Kanäle durchstöbern und meinen Reisebericht fürs Motorradforum weiter schreiben kann. Schließlich sollen auch andere Motorradfahrer von meinem Trip durch Schottland per Motorrad profitieren können.

Der Abschluss meiner Reise durch Schottland per Motorrad: Von der Isle of Skye nach Newcastle

Da ich keine richtigen Inseln befahre, beschließe ich zumindest, der Halbinsel Isle of Skye einen Besuch abzustatten. 

Ich fahre Richtung Dornie, dann über den Kyle of Lachalsh (über eine tolle Brücke) Richtung Halbinsel. Die fahre ich im Osten nordwärts, um dann im Westen südlich zu fahren. Ich erlaube mir eine ausgiebige Wanderung zu den 3 Felsen Old Mann of Storr hoch. Mit Motorradstiefeln anstrengend, aber die Aussicht entschädigt. An der Küste sehe ich Wildtiere. Robben glaub ich, die lauthals rumröhren. 

Um auf meinem Trip durch Schottland per Motorrad die Isle of Skye zu verlassen, entscheide ich mich, da es Spaß macht, für die kleine Fähre von Armadale nach Malleig. Kostet nicht die Welt und bietet Abwechslung auf meinem Schottland per Motorrad Trip.

Im Süden der Halbinsel überquere ich noch mal ein kleines Gebirge, gefühlt 500m hoch, aber die Straßenführung lässt mich an das letzte Kurventraining und die dort erlernte Technik erinnern. Es macht einen Heidenspaß, den Kurven zu folgen. 

Nächstes Ziel ist Fort William. Die Strecke führt vorbei an dem berühmten Glennfinnan Viaduct, das durch die Harry-Potter-Filme Berühmtheit erlangte. Ich verweile dort lang, um tolle Fotos zu schießen und um dem historischen Café „Dining Car“ in einer Eisenbahn einen Besuch abzustatten. 

Fort William lasse ich links liegen, da ich keinen Bock auf Museen in dicker Motorradkluft habe. Das nächste Highlight ist die bewölkte Sicht auf den Ben Navis, den höchsten Berg Großbritanniens. Auch hier begnüge ich mich mit einem Blick und es geht weiter Richtung Glencoe, denn in diesem Tal wurde schottische Geschichte geschrieben. 

Der Clan der McDonalds wurde überraschend von seinen Gästen, den Campbells, morgens um fünf Uhr gnadenlos niedergemetzelt. Warum, weiß ich nicht, in Geschichte habe ich noch nie geglänzt, aber die Durchquerung des Tals erinnert mich an meine laufende Scheidung und ich schwöre mir, stark zu sein. An der  tiefsten Stelle des Tals steht ein Schotte in Tracht und spielt auf seinem Dudelsack in Erinnerung an dieses Gemetzel aus dem Jahr 1692. Imposant. 

Anschließend schlängele ich mich auf meiner Tour durch Schottland per Motorrad über Stirling nach Newcastle upon Tyne, um die letzten britischen Eindrücke aufzunehmen. Ich sauge die letzten Bilder auf wie ein Schwamm. Es sind Dinge wie Schafe, britische Rindviecher mit großen Hörnern, alte Ruinen, Burgen, Schlösser, Lichtspiele, Nebel, Wolken, Sonnenstrahlen, Torflandschaften etc. pp. 

Endlich überquere ich eine Grenze mit Hadrianswall, der seit 1987 zum Unesco-Weltkulturerbe gehört und sehe einen Riesenstein mit der Aufschrift: Schottland/ England. Auch hier wieder ein Dudelsackspieler, der sich von den Touristen einen Zusatzverdienst verspricht. 

Die Fähre Newcastle-Amsterdam habe ich selbstverständlich im Vorfeld gebucht. Ich gönne mir auch ein 2-Gänge-Menü im Steak House und ein Frühstücksbuffet, um die Rückreise von der holländischen Hauptstadt nach Hause zügig absolvieren zu können. 

Die Unterbringung der Fahrzeuge ist eng und stickig, dafür habe ich eine 2-Bett-Kabine, in der ich mich ausbreiten kann. Ich schlafe durch und freue mich auf zu Hause, da ich mich vor der Reise frisch verliebt hatte. Dennoch wollte ich aber deswegen meine geplante Reise nicht abbrechen und es gibt ja Handy und Internet, um kommunizieren zu können.

Would I do it again? Yes, deffo!

Oder „definitely“, wie die Briten sagen würden. Ich bereue in keinster Weise, meine Solotour nach Schottland per Motorrad allein durchgeführt zu haben. Wenn man sich allein auf die Reise macht, muss man keinem Rechenschaft ablegen, wann man wo warum welche Strecke nimmt. Die Kontaktaufnahme mit Einheimischen ist intensiver, da man ja nicht mit seinem Reisebegleiter schnacken muss. Es spart eine Menge Kohle, wenn man sich keiner Reisegruppe mit Reiseleitung anschließen muss. Man kann seinen Fahrstil fahren, ohne Rücksicht auf langsamer Fahrende nehmen oder schneller Reisenden hinterherhetzen zu müssen. Die Reisevorbereitung ist für mich auch ein Teil der Vorfreude.

Ich hoffe, hiermit Menschen Mut zu machen, ebenfalls Schottland per Motorrad zu erkunden oder allgemein eine Reise alleine zu unternehmen. Insbesondere England oder Schottland sind tolle Reiseziele – traut euch auf die Insel!

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