Ein Einzylinder mit 440 Kubik, 671 mm Sitzhöhe und ein Preis ab 5.700 Euro: Mit der Harley-Davidson Sprint 440 sagt Harley den leichten Motorrädern ganz klar den Kampf an. In den Wochen vor der EICMA durfte ich die neue Sprint beim Presse-Pre-Launch in Barcelona fahren. Wir sind durch die Stadt gefahren, hoch in die Berge des Garraf und durch die Weinberge des Penedès. Hier liest du meinen ehrlichen Eindruck, vor allem für Einsteigerinnen, Wiedereinsteigerinnen und alle, deren Beine nicht ewig lang sind.
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Pre-Launch in Barcelona: viel Fachsimpelei und eine Überraschung beim Preis

Ein Presse-Pre-Launch ist immer etwas Besonderes. Du lernst ein Motorrad kennen, bevor die Welt davon weiß, und zwar direkt von den Menschen, die es entwickelt haben. In Barcelona hat sich Harley-Davidson dafür richtig Zeit genommen. Giacomo Marzoli, Marketing Integration Manager für die Region EMEA, führte durch die Präsentation, John Harty aus der Produktentwicklung erklärte die Technik, und Bjorn Schuster, Head of Design, erzählte von der Entstehungsgeschichte. Es war wahnsinnig spannend, so viel Hintergrund zu einem Motorrad zu erfahren, das du noch keinen Meter gefahren bist. Gefachsimpelt wurde natürlich von der ersten Minute an.
Dann kam der Preis, und mir ist ganz ehrlich die Kinnlade runtergefallen. Harley kennen wir alle für die großen Bikes. Das sind tolle Motorräder, aber eben auch groß und nicht gerade günstig. Ich hatte mit einem ordentlichen Preis plus Harley-Aufschlag gerechnet. Der kam nicht. 5.700 Euro für eine neue Harley, damit hat wohl kaum jemand gerechnet.
Am Abend saßen wir zusammen in einem Steakhouse mitten in Barcelona. Dort ging es weiter: im Austausch mit den anderen aus der Presserunde, die ihre Einschätzung zu den ersten Eckdaten teilten, und mit den Leuten von Harley. Neben mir saß Sebastian Osiecki, der bei Harley-Davidson das Marketing für Deutschland leitet. Er hat mir erzählt, für wen sie die Sprint gebaut haben: als ersten Einstieg in die Harley-Welt für alle, die nicht auf eines der klassischen Dickschiffe steigen wollen, oder zumindest noch nicht. Genau so habe ich sie am nächsten Tag auch erlebt.
Viel Harley in einem kleinen Motorrad
Die Sprint ist eine der kleinsten Harleys, die je gebaut wurden, und trotzdem sieht sie aus wie eine echte Harley. Daran hat das Designteam am Firmensitz in Milwaukee hart gearbeitet, und das ist ihm gelungen. Den klassischen Tropfentank, die tiefe Stufensitzbank mit kurzem Heckfender und den LED-Scheinwerfer zwischen den Gabelholmen kennst du von den großen Cruisern. Dazu viel Metall und wenig Plastik, alles fühlt sich unglaublich hochwertig an. Eine echte, charmante Harley eben.




Technisch baut die Sprint auf der 440er-Plattform auf, die Harley zusammen mit Hero MotoCorp entwickelt hat und die es in Indien seit 2023 gibt. Deshalb wurde sie bei der Vorstellung oft mit der X440 verglichen. Laut Harley sind Räder, Fahrwerk und Materialwahl aber eigens für die Sprint entstanden. Vor Ort kam auch oft die Frage, wo das Motorrad gebaut wird, weil das Gerücht umging, es sei Thailand. Die Antwort: in Indien.
Den Namen Sprint gab es übrigens schon einmal. Von 1961 bis 1974 bot Harley zusammen mit dem italienischen Hersteller Aermacchi eine leichte Einzylinder-Sprint an, zuerst mit 250 und ab 1970 auch mit 350 Kubik.
Sitzhöhe 671 mm: Bei der Sprint 440 spielt die Beinlänge kaum eine Rolle
Was ich an der Sprint großartig finde: Mit ihr können auch kleinere Menschen mit kürzer geratenen Beinen ganz entspannt Motorrad fahren. Auch wir Biker:innen mit kürzeren Beinen kommen selbstverständlich mit größeren Bikes klar, aber wie schön ist es, wenn die Beinlänge mal keine Rolle spielt?
Ein charmantes Feature ist die Sitzbank, die nach vorne zum Tank hin schmaler wird. So geht keine Innenbeinlänge durch eine breite Sitzfläche verloren. Wenn dir selbst 671 mm noch viel vorkommen, probier die Sprint einfach mal aus, sobald du die Gelegenheit hast. Und dann gibt es noch die Reach-Sitzbank aus dem Zubehör, die dich näher an Lenker und Fußrasten bringt.
Alles in allem: Harley bewirbt die Sprint mit dem Begriff Joyride, und das unterschreibe ich voll.

Fahreindruck: einfach und elegant, in der Stadt wie in den Bergen
Am zweiten Tag ging es endlich aufs Motorrad. Wir sind durch Barcelona gefahren, raus in den Naturpark Garraf und durch die Weinberge des Penedès. Den typischen Stadtverkehr von Barcelona haben wir dabei ordentlich mitgenommen, mit reichlich Stop-and-go. Das hat die Sprint hervorragend mitgemacht. Sie läuft nicht heiß und wird auch sonst nicht zickig. Stadtverkehr ist immer anstrengend, aber mit ihr war alles gut machbar. Einige Begleiter auf den großen Harleys mussten im Tunnel oder im Stau den Motor ausmachen, weil er zu heiß wurde. Wir sind mit der Sprint ganz elegant durch die Stadt gekommen.

Irgendwann ging einfach nichts mehr vorwärts, und wir haben die typische Barcelona-Experience mitgemacht: Wir haben gefiltert. Ich bin den anderen ein Stück weit zwischen den Autos hinterhergefahren, und da ist so ein kleines, leichtes Bike natürlich klar im Vorteil. Ob man das darf oder nicht, hüstel, lasse ich mal dahingestellt.
Mittags haben wir in Sitges mit Blick aufs Mittelmeer Pause gemacht. Eine wunderschöne Ausfahrt, genau so, wie man sich das rund um Barcelona vorstellt. Für das eine oder andere Foto sind wir manche Strecke zwei-, dreimal abgefahren, wie das bei so einem Termin eben ist. Auch das war eine interessante Erfahrung.

Ich habe mich sehr schnell auf der Sprint zurechtgefunden. Du fährst los, und 500 Meter später hast du dich schon auf dem Bike eingegroovt. Mit 189 kg fahrfertig und dem tiefen Schwerpunkt fährt sie sich wahnsinnig leicht und elegant.
Genau das ist für mich bei einem Motorrad entscheidend. Nach meiner Babypause war ich eine ganze Weile gar nicht gefahren. Mein erstes Warm-up hatte ich auf unserer SHE RIDES Motorradreise in Andalusien, auch dort auf einem Leihmotorrad. Seitdem weiß ich es noch mehr zu schätzen, wenn ein Motorrad leicht zugänglich ist: Du steigst auf, fährst los und genießt es vom ersten Meter an, ganz ohne lange Eingewöhnung.
Auf einem neuen Bike probierst du dich natürlich immer ein bisschen aus. Mir ist sehr schnell aufgefallen, dass die Sprint sehr viel verzeiht, auch mal einen Gangfehler. Dem Fahrspaß tut das überhaupt keinen Abbruch.
In den Bergen war die Sprint genauso einfach und elegant zu fahren wie in der Stadt. In den Kurven hinter Barcelona habe ich nur eines gemerkt: Wer beherzt hineingeht und große Schräglagen gewohnt ist, setzt recht früh mit den Fußrasten auf. Mir ist das selbst einmal passiert, und das kommt bei mir selten vor. Wer gemütlich fährt, merkt davon kaum etwas.

Bei höherem Tempo hilft der sechste Gang. Vor Ort wurde gefragt, warum es einen zweiten Overdrive gibt. Ich habe es so erlebt: Du beschleunigst ganz normal bis in den fünften Gang. Im sechsten wird sie dann noch ein bisschen ruhiger und gleitet entspannt dahin. Auch bei 130 läuft sie elegant weiter, ohne störende Vibrationen. Dafür sorgt eine Ausgleichswelle im Motor. Harley gibt die Höchstgeschwindigkeit mit 129 km/h an. Bergab, mit viel Rückenwind und Heimweh, waren bei mir auch mal 131 drin. Danach ist allerdings Schicht im Schacht.
Bremsen und Kupplung sind sehr angenehm zu bedienen. Die Kupplung geht leicht, und dank Anti-Hopping-Funktion stempelt das Hinterrad nicht, wenn du mal zu schnell herunterschaltest. Vorne bremst eine 320-mm-Scheibe, ABS ist serienmäßig.
Und dann der Sound. Die Sprint schnurrt wie eine große Katze. Harley hat viel am Klang gearbeitet, und das hörst du beim Fahren. Natürlich klingt ein kleiner Einzylinder anders als ein großer V2, aber man erkennt die Harley.
Reichweite, Zubehör und Reisen
Der Tank fasst 9 Liter, der Verbrauch liegt laut Harley bei 3,1 Litern auf 100 Kilometer. Damit sind 250 Kilometer locker drin. Vermutlich tut dein Bobbes früher weh, als dein Motorrad zum Tanken muss.
Typisch Harley ist, dass das Motorrad eine Leinwand zum Customizing sein soll, so wie man es von der Szene auf der European Bike Week am Faaker See kennt. Harley hat die Umbauten schon beim Design eingeplant. Zum Verkaufsstart gibt es bereits jede Menge Zubehör, etwa Sitzbänke, Lenker, Griffe, Spiegel und Sturzbügel. Mit einem neuen Online-Konfigurator kannst du dir ansehen, wie deine Sprint mit dem Zubehör aussieht.
Auch Reisen ist mit der Sprint machbar. Dafür gibt es eine Windschutzscheibe, Packtaschen zum Überwerfen und eine Sissy Bar mit Rückenpolster für Sozia oder Gepäck.
Farben, Preis und Marktstart
Die Sprint gibt es in Dark Billiard Gray, gegen Aufpreis auch in Vivid Black und Teal Thunder. Teal Thunder ist eine wunderschöne blaue Variante. Mein Favorit ist ganz klar das klassische Schwarz mit den orangefarbenen Details. Das wundert jetzt wohl niemanden.


In Deutschland kostet die Sprint ab 5.700 Euro, in Österreich ab 6.699 Euro und in der Schweiz ab 5.720 Franken. Damit gehört sie zu den günstigen Motorrädern unter 10.000 Euro. Harley gibt vier Jahre Garantie ohne Kilometerbegrenzung, ein Batterieladegerät ist dabei, und im ersten Jahr bist du kostenlos Mitglied der Harley Owners Group. Bestellen kannst du die Sprint ab sofort beim Händler, ausgeliefert wird voraussichtlich ab November.
Harley Sprint 440: A2-Harley, Einsteigerbike und Zweitbike
Laut Harley darfst du die Sprint in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit dem Führerschein A2 fahren. Wenn du schon immer von einer Harley geträumt hast, kannst du dir diesen Traum jetzt erfüllen.
Ich sehe es wie Harley: Die Sprint 440 ist ein ideales Einsteigerbike, egal ob in die Harley-Welt oder überhaupt ins Motorradfahren. Ich kann sie mir auch sehr gut in der Fahrschule vorstellen. Genauso gut passt sie aber als Zweitbike. Steht bei dir zu Hause eine große, schwere Reiseenduro, mit der du sonst samt Gepäck auf große Tour gehst, ist die Sprint die perfekte Ergänzung für die Garage. Dann musst du für die Stadtfahrt oder die Kaffeefahrt nicht das ganze Schiff durch den Großstadtdschungel manövrieren.
Mein Fazit zur Harley-Davidson Sprint 440
Ich war von diesem Motorrad absolut begeistert. Die Sprint ist leicht, tief und schön gemacht, sie klingt nach Harley und kostet weniger als viele Konkurrentinnen. Wer sportlich durch Kurven fahren will, stößt mit den Fußrasten früh an Grenzen. Alle anderen bekommen ein Motorrad, mit dem jede Fahrt Spaß macht.
Pro Kontra Sehr niedrige Sitzhöhe von 671 mm, gut für kurze Beine Fußrasten setzen in flotten Kurven früh auf Leicht (189 kg fahrfertig), verzeiht viel und ist schnell vertraut Sehr große Fahrer:innen sitzen eher tief Läuft auch bei 130 km/h ruhig und ohne störende Vibrationen Farbvarianten Vivid Black und Teal Thunder nur gegen Aufpreis Typischer Harley-Look, viel Metall, hochwertige Haptik Satter Einzylinder-Sound Günstiger Neupreis ab 5.700 Euro, A2-tauglich 4 Jahre Garantie ohne Kilometerbegrenzung Viel Zubehör, auch eine Reach-Sitzbank für kleinere Fahrerinnen
Technische Daten im Überblick
| Harley-Davidson Sprint 440 (Modelljahr 2027) | |
|---|---|
| Motor | luft-/ölgekühlter Einzylinder, 440 cm³, Ausgleichswelle |
| Leistung | 20,3 kW (27,6 PS) bei 6.000/min |
| Drehmoment | 38 Nm bei 4.000/min |
| Höchstgeschwindigkeit | 129 km/h |
| Getriebe / Antrieb | 6 Gänge, Anti-Hopping-Kupplung, Kette |
| Sitzhöhe | 671 mm |
| Gewicht fahrfertig | 189 kg |
| Tank / Verbrauch | 9 l / 3,1 l auf 100 km |
| Fahrwerk | vorn 43-mm-Upside-down-Gabel, 130 mm Federweg · hinten zwei Federbeine, Vorspannung einstellbar, 76 mm Federweg |
| Bremsen | vorn 320 mm, Zweikolben-Sattel · hinten 240 mm, Einkolben-Sattel · ABS |
| Reifen | 100/90-19 vorn, 150/60 ZR17 hinten |
| Ausstattung | 3,5-Zoll-Farb-TFT, Voll-LED, USB-C, Batterieladegerät |
| Farben | Dark Billiard Gray, gegen Aufpreis Vivid Black und Teal Thunder |
| Preis (UVP) | ab 5.700 € (DE) · ab 6.699 € (AT) · ab 5.720 CHF (CH) |
| Garantie | 4 Jahre ohne Kilometerbegrenzung |
| Marktstart | ab sofort bestellbar, Auslieferung voraussichtlich ab November 2026 |
Willst du die Sprint selbst sehen? Auf der EICMA in Mailand steht sie ab jetzt im Rampenlicht. Wenn du dich mit anderen Bikerinnen über Einstiegsbikes austauschen möchtest, findest du sie in der SHE RIDES App und bei deiner Regionalgruppe. Vielleicht steht beim nächsten Stammtisch ja schon die erste Sprint.
Quelle der technischen Daten und Preise: Harley-Davidson. Ich war auf Einladung von Harley-Davidson beim Presse-Pre-Launch in Barcelona.