Montag, 20. Mai 2024
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Lidwien: Beim Motorradfahren ist der Weg das Ziel

Kurzprofil

Name: Lidwien Kuiphuis | Alter: 52 | Heimat: Geboren in den Niederlanden und wohne und arbeite jetzt in die Grafschaft Bentheim/Niedersachsen | Beruf: Reiseveranstalter Motorradreisen weltweit (Motor2Travel)

Wie bist du zum Motorradfahren gekommen?

Meine Brüder hatten ein Moped, das ich übernahm, als ich 16 Jahre alt war, ich musste 17 km bis zur Schule, und es war nicht möglich, mit einem Schulbus hinzufahren. Also gab mir das Moped mehr Bewegungsfreiheit. Mit 18 hatte ich Freunde mit Motorrädern und hielt es für selbstverständlich, dass ich auch den Motorradführerschein machen würde.

Was bedeutet Motorradfahren für dich?

Motorradfahren gibt mir immer noch ein Gefühl von Freiheit und Abenteuer. Wenn ich auf meinen Reisen mit dem Motorrad unterwegs bin, komme ich an Orte, wo normale Touristen nicht hinkommen, ich komme leichter mit Einheimischen in Kontakt und man erlebt Natur und Landschaft intensiver. Deine Sinne werden stärker angeregt, und es gibt einfach ein glückliches Gefühl. Beim Motorradfahren ist der Weg das Ziel, während man im Auto einfach von A nach B fährt.

Den Motorradführerschein zu machen, war für sie selbstverständlich. Heute ist sie Motorradreisende. Interview | Frauen die Motorradfahren

Welches Motorrad fährst du? Warum hast du diese Maschine gewählt?

Ich fahre eine Yamaha XT600 und bin 1,67 m. Ich kann gerade mit meinen Füßen an den Boden kommen. Ich wollte ein nicht zu riesiges Motorrad mit wenig Schnickschnack, mit dem ich sowohl auf der Straße als auch auf unbefestigten Wegen gut fahren kann. 

Wenn Geld und Platz keine Rolle spielt, was würdest du dir gerne in die Garage stellen und warum?

Ich möchte gerne eine kleine E-Enduro haben z.B. Zero FX, da hat die ganze Familie dann Spaß daran und ich mag es, um leise im Wald/Natur unterwegs zu sein.

Mit welcher Ausrüstung fährst du am liebsten?

Da habe ich nicht richtige Favoriten. Ich habe eine Rukka Hose*, weil ich oft Leute von Rukka auf Messen treffe und sie mal ein schönes Messeangebot für mich hatten. Ich habe eine 2-Hand-Pharao-Jacke* und eine Durchweh-Jacke für meine Fernreisen. Zu Hause trage ich oft nur eine Lederjacke* und eine Hose von Polo*. Helme habe ich mehrere, einen Klapphelm von Shoei* und einen Endurohelm*.

Es gibt schon einige Motorradfahrer:innen, die ich bewundere, z.B. für ihren Mut, Engagement und ihre Persönlichkeit.

Wie kam es zu Motor2Travel?

Seit meinem 18. Lebensjahr bereise ich gerne die weite Welt, zuerst als Backpacker und später als Reiseleiter für Abenteuerreisen für niederländische Organisationen. Im Jahr 2006 habe ich begonnen, weltweit Motorradreisen zu führen. Da ich inzwischen aus den Niederlanden nach Deutschland gezogen und Mutter geworden war, war ich etwas mehr ans Haus gebunden. Ich habe mich daher entschlossen, mein Unternehmen Motor2Travel zu gründen und biete seitdem Motorradreisen weltweit an.

Gab es schon mal eine brenzlige Situation?

Ach hinterher sind Dinge oft halb so schlimm, aber natürlich gab es auf meinen Reisen schon mal Unfälle, Erdrutsche, korrupte Polizei/Grenzwächter, kaputte Motorräder in the middle of nowhere usw. 

Was war es und wie hast du reagiert?

Erst einmal die Ruhe bewahren, dann die Situation gut einschätzen, Alternativen überdenken / kreativ sein, und manchmal habe ich auch einfach Glück gehabt, dass rechtzeitig Hilfe vorbeikam. So kam zum Beispiel einmal zufällig Bagger vorbei, um den Weg freizumachen, ein Krankenpfleger um den Verletzten zu versorgen, ein freundliches Gespräch über Familie, Fußball oder Musik um den korrupten Beamten umzustimmen, ein LKW um das kaputte Motorrad zu transportieren usw.

Was war bisher deine größte Herausforderung? Und wie hast du sie gemeistert?

Meine Beziehung mit meinem Mann hahahahaha. Die Herausforderung ist es tatsächlich, die Familie, die Tiere und die Arbeit unter einen Hut zu bekommen. Wegen meiner Arbeit bin ich manchmal Wochen unterwegs (mit Motorrad natürlich) oder auch tagelang auf Messen/Veranstaltungen. Da muss dann einiges geplant und organisiert werden, bevor ich wegfahren kann.

Ich arbeite noch immer daran. Die meisten Kilometer, die ich fahre, sind auf Reisen. Zu Hause habe ich fast keine Zeit, Motorrad zu fahren. Ich habe aber Glück, dass mein Mann auch selbständig ist und seine Zeit frei planen kann. Mein Mann fährt auch gerne Motorrad und wenn Zeit da ist, versuchen wir gemeinsam ein Stück auf dem TET-Trail, der nicht weit von unserer Haustür liegt, zu fahren.

Was darf auf einer Motorradtour für dich nicht fehlen und warum?

Ein zuverlässiges Motorrad, denn eine Panne unterwegs ist ärgerlich.

Beim Motorradfahren ist der Weg das Ziel, während man im Auto einfach von A nach B fährt.

Fährst du lieber allein oder in einer Gruppe Motorrad und warum?

Das ist je nach Situation unterschiedlich. Ich genieße es sehr, allein neue Routen in fernen Zielen zu erkunden. Du hast dann völlige Freiheit, musst auf niemanden Rücksicht nehmen und kannst noch besser mit der lokalen Bevölkerung in Kontakt treten. Im Urlaub fahre ich auch sehr gerne mit meinen Freundinnen oder meinem Mann. Als Reiseleiterin für Motorradreisen bin ich natürlich regelmäßig mit Gruppen unterwegs und das ist auch wunderbar. Gerade wenn Leute zum ersten Mal in ferne Länder unterwegs sind, ist die Begeisterung ansteckend, das macht mir so viel Spaß. 

Was war dein schönstes Motorrad-Erlebnis?

Meine erste Motorradreise, die ich begleitet habe, in 2006. Das war eine 3-wöchige Reise nach Tansania. Es war ein großes Abenteuer, ich hatte eine super lustige Gruppe (wir sind noch befreundet), ein tolles Team, das Offroad fahren war eine schöne Herausforderung, und die Bevölkerung war so locker. Überall, wo wir hinkamen, war Party angesagt, sei es in der örtlichen Straßenbar oder beim Massai BBQ, es war eine gute Zeit in jeder Hinsicht. 

Von welcher Motorradtour träumst du und was reizt dich an dieser Tour?

Es gibt immer noch vieles zu entdecken, auch in Europa, aber die nächste Reise, die ich machen werde, ist Kolumbien. Das Land ist so riesig und so schön, da muss ich wieder hin. 

Die Landschaft, die Natur und das Fahren in Kolumbien sind so abwechslungsreich, und die Bevölkerung ist so gastfreundlich und aufgeschlossen – das berührt mein Herz. Das Reisen in diese Länder bringt einen zurück zum Kern, und man verbindet sich wieder mit den Dingen, die wirklich wichtig sind. 

Was würdest du dir selbst raten, wenn du heute mit dem Motorradfahren anfangen würdest?

  • Nichts aufschieben, einfach machen.
  • Ich würde mehrere Trainings machen z.B. Kurventraining, Endurotraining, Sicherheitstraining, man lernt viel, und es macht Spaß.
  • Wichtig ist es auch, das richtige Motorrad zu kaufen, nicht zu groß, aber ein Motorrad, was zu dir passt, und wenn es dir nicht mehr gefällt, kann man es immer wieder verkaufen.
  • Und habe keine Angst zu scheitern, denn aus Fehlern lernt man.
Den Motorradführerschein zu machen, war für sie selbstverständlich. Heute ist sie Motorradreisende. Interview | Frauen die Motorradfahren

Was bewunderst du an anderen Motorradfahrern/Fahrerinnen?

Es gibt schon einige Motorradfahrer:innen, die ich bewundere, z.B. für ihren Mut, Engagement und ihre Persönlichkeit. Für mich ist das Motorradfahren eine Selbstverständlichkeit, auch als Frau, aber ich weiß, dass es nicht für jeden so ist. Auf dem Petrolettes-Festival traf ich zum Beispiel Behnaz Shafiei, die iranische Rennfahrerin, die Hunderte von Frauen und Mädchen im Iran trainiert, obwohl es für Frauen illegal ist, in der Öffentlichkeit Motorrad zu fahren. Oder Dylan Wickrama, den ich 2015 auf einer Veranstaltung in Köln traf. Er ist in Sri Lanka in sehr armen Verhältnissen aufgewachsen, aber er hat es dann doch geschafft, seinen Traum von einer Weltreise auf dem Motorrad wahrzumachen. Dylan war 3,5 Jahre unterwegs und hat daraus ein sehr tolles Buch und einen faszinierenden Film gemacht (Am Ende der Straße, verloren auf dem Pazifik). Mit ihm organisiere ich jetzt auch die Sri Lanka Motorradreise. 

Es gibt immer noch vieles zu entdecken, auch in Europa, aber die nächste Reise, die ich machen werde, ist Kolumbien.

Ist da noch etwas, was du der SHE RIDES Frauen+ Community gerne mitgeben möchtest?

Wenn du die Möglichkeit hast, mache schöne Reisen, Begegnungen und Erfahrungen. Die Welt ist viel schöner als es oft in den Nachrichten dargestellt wird.

Und was die Arbeit betrifft: Ich war dieses Jahr beim Petrolettes-Festival und war so begeistert, dass ich beschlossen habe, vor 2023 einige Frauenreisen anzubieten in z.B. Kolumbien, Sri Lanka und Indien-Himalaya, die Reisen werden dann von Frauen organisiert und begleitet.

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Nika
Nikahttps://sherides.de/ueber-uns
Seit ihrer Jugend ist SHE RIDES Gründerin Annika, für Freunde auch Nika, Zweirad-Enthusiastin. Mit ihrer Royal Enfield und Motorradhund Mila im Gepäck startet sie mit SHE RIDES in neue Abenteuer.

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